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Parteien, Politiker und Profit!?

Dezember 8, 2012 Backstage, Privat No Comments

Eigentlich fing alles ganz harmlos an. Zwei Lokalpolitiker der SPD in Dortmund äußerten sich in der örtlichen Presse besorgt über den rasanten Anstieg der Kriminalität in der Dortmunder Linienstraße und die sich häufenden Beschwerden der Anwohner über das Dortmunder Bordell. Diese unhaltbaren Zustände müssen sofort abgestellt werden und man überlege, wie man dieser Entwicklung am besten entgegenwirken könne.

Kurze Zeit später folgte der nächste Pressebericht über dieses Thema und nun war sich die SPD Ratsfraktion darin einig, das nur eine Schließung und der Abriss des Bordells, die gewünschte Entkriminalisierung  bringen würde.

Jetzt waren die Mädels in der Linienstrasse aufgeschreckt, ihren geliebten Puff schließen und sogar abreißen – das geht ja mal gar nicht! Und so schlossen sich die Mädels mit den Frauen von Kober (Beratungsstelle für Prostituierten) zusammen und gingen auf die Straße. So wurden die Einzelhändler in der Dortmunder City befragt, ob sie sich tatsächlich über das Bordell  beschwert haben, wie von der SPD angegeben wurde, was aber vehement von den Kaufleuten bestritten wurde. Ganz im Gegenteil, der Dortmunder Einzelhandel profitierte von den Prostituierten, da diese viel Geld verdienten und dieses auch gerne und reichlich in den Geschäften ließen.

Und so standen die Dortmunder Einzelhändler und die Anwohner der Nordstadt hinter den Prostituierten und stärkten ihnen den Rücken. Andere Parteien, darunter die Grünen, die ja noch ziemlich neu auf der politischen Bühne und generell gegen die etablierten Parteien waren, schlossen sich den Prostituierten an und auch die CDU entdeckte  ihr Herz für die Huren.

Die Polizei, einzelne Ämter wie etwa das Gesundheitsamt, Soziologen, ja selbst die ASF (Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen) stellte sich auf die Seite der Frauen. Und bei soviel geballter Kompetenz stand fest, wir brauchen eine Podiumsdiskussion, welche natürlich durch Funk, Fernsehen und Printmedien begleitet wird.

 

Und genau hier beginnt mein Einsatz. In der damaligen Zeit ging eine Prostituierte nicht an die Öffentlichkeit. Jede ordentliche Hure hatte sich für ihr „Tun“ zu schämen, so die langläufige Meinung der Bevölkerung. Und so war klar, keine Frau aus der Linienstraße würde vor die Presse treten.

Also fragte man mich. Ich war in der Szene bekannt und jeder wusste, dass ich keine Berührungsängste habe. Und so erschien ich zur ersten Podiumssitzung, später auch zu den Presseterminen, völlig unbefangen und bereit mich in der Öffentlichkeit zu zeigen, ein bisschen Eigenwerbung kann nie schaden. Aber keiner der besorgten Politiker und Journalisten ließ mich unmaskiert vor die Zuhörer/Presse treten. Ich musste mir einen lustigen Hut aufsetzen und eine Sonnenbrille tragen, ich sollte das Klischee einer verschämten Hure bedienen. Innerlich kochend ließ ich mich auf das Spiel ein, hier ging es darum, die Bordellschließung zu verhindern und nicht mein angekratztes Ego zu befriedigen. Trotzdem wurde ich natürlich erkannt und gerade mein Auftritt in einer TV Diskussion brachte mir selbst sehr viel Aufmerksamkeit. So bekam ich daraufhin eine Rolle in dem Film „Hunter“ von Robert Frank und ich stand Model für die Israelische Malerin Orna Barnea.

Nach langem hin- und her, zog die SPD Ratsfraktion ihren Beschluss zur Schließung und Abriss des Bordells zurück. Die beiden federführenden Politiker der SPD gerieten dann auch immer mehr in Vergessenheit und an den Gerüchten das sie das Ganze nur angezettelt hätten, weil sie in Immobiliengeschäfte rund um das Dortmunder Bordell verstrickt wären, ist sicherlich nichts dran – zu mindestens glaube ich das!

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